Die 70 Liter Dieci

Die klassischen Bimotas überzeugen vor allem durch ihre sportlichen Eigenschaften, weniger jedoch durch ihre Tourentauglichkeit. Eine Ausnahme bildet die DB3, die sich mit ihrem unverkleideten Design und der aufrechten Sitzposition im Segment der Café Racer und Naked Bikes positioniert. Deshalb ist meine DB3 auf längeren Touren stets die erste Wahl – auf ihr lässt es sich auch über viele Tage hinweg bequem fahren. Allerdings sucht man selbst bei diesem Modell vergeblich nach tourentauglichem Zubehör wie beispielsweise einem Gepäckträger.

Zur Saison 2023 entsteht daher der Plan, eine Alternative zur DB3 für längere Strecken zu schaffen, ohne meiner bevorzugten Motorradmarke untreu zu werden. Das Ergebnis ist meine „Reise-Bimota“ auf Basis der YB8. Den Bericht dazu gibt es hier:

https://bimota.info/stories/meine-reise-bimota/

Ganz zufrieden bin ich mit meiner Reise-Bimota allerdings nicht. Als Tourer funktioniert sie zwar recht gut: Der hohe Lenker sorgt für eine entspanntere Sitzposition, der „Kofferraum“ bietet zusätzlichen Stauraum und auf dem Heck lässt sich eine 70 Liter fassende Gepäcktasche befestigen. Trotzdem bleibt mein Grundgedanke, dass man klassische Bimotas möglichst im Originalzustand erhalten und fahren sollte.

Also muss eine andere Lösung her. Doch welches Modell kommt dafür infrage? Abgesehen von der DB3 bietet die 1990 vorgestellte YB10 Dieci die „unsportlichste“ Sitzposition im klassischen Bimota-Programm. Bimota positionierte sie als Sporttourer und damit als eigenständiges Modell auf Basis der YB8, allerdings mit einer etwas entspannteren Ergonomie. Die Stummellenker sitzen oberhalb der Gabelbrücke und damit rund zwei Zentimeter höher. Auch die Fußrasten sind um 1,5 Zentimeter und die Sitzposition um zwei Zentimeter höher angeordnet. In der Summe ergibt sich so eine aufrechtere Sitzhaltung als auf der YB8.

Natürlich kann die Dieci in Sachen Langstreckenkomfort weder mit der DB3 noch mit meiner Reise-Bimota mithalten. Gegenüber den übrigen Sportmaschinen aus Rimini sitzt man auf ihr aber deutlich entspannter. Bleibt noch die Frage nach der Gepäckmitnahme. Ein Blick auf das Monocoque liefert die Antwort: Hinter der Sitzbank befindet sich ein Staufach, das durch einen Deckel mit Schnellverschluss verschlossen wird.

Für die Befestigung der Gepäcktasche habe ich einen Adapter aus Styrodur angefertigt. Seine Unterseite ist der Form des Staufachs angepasst, während die Oberseite eine flache, quadratische Auflagefläche für die Tasche bietet.

Befestigt wird die Konstruktion an neu angefertigten M20-Bolzen, mit denen das Monocoque am Heckrahmen verschraubt ist. Die neuen Bolzen sind länger als die Originale und stabil genug, um die Gepäcktasche sowohl nach vorne als auch nach hinten abzuspannen.

Bei der Gepäcktasche selbst handelt es sich um ein Modell, wie es von verschiedenen Anbietern erhältlich ist. Sie besteht aus wasserdichtem Material, wird mit Spanngurten befestigt und mit einem Rollverschluss geschlossen. Mit einem Fassungsvermögen von 70 Litern bietet sie ausreichend Platz für das Gepäck auf längeren Touren.