
Die Dolomiten waren das Ziel der Motorradtour 2026. Ein Grund dafür war die Ankündigung, dass das Grödnerjoch und damit die legendäre Sella-Runde ab September 2026 teilweise gesperrt werden soll. Wenn sich also noch einmal die Gelegenheit bot, diesen Klassiker unter den Alpenpässen zu fahren, sollte man sie nutzen. Dazu kam eine offene Rechnung aus dem Jahr 2023. Damals musste ich die geplante Dolomitentour vorzeitig abbrechen. An meiner YB8 hatte sich das Schwimmernadelventil verklemmt, was die Dolomiten vorerst auf der Liste der unerledigten Touren setzte.
Für die Anreise war auch diesmal der Trailer die erste Wahl. Ausgangspunkt sollte Leuterschach im Allgäu sein. Neben der Ducati Monster fand auch die Bimota YB10 ihren Platz auf dem Anhänger. Die Idee: Mit der Bimota sollte zwar nicht die komplette Tour gefahren werden, aber eine kleine Runde am Anreisetag über den Fernpass und das Hahntennjoch wäre schon ein schöner Auftakt gewesen. Schließlich gibt es Schlimmeres, als nach rund 700 Kilometern Anreise mit dem Auto noch eine Bimota über einen Alpenpass zu bewegen.

Deshalb hieß es früh losfahren. Wenn die Strecke gut lief, sollten die knapp 700 Kilometer am frühen Nachmittag geschafft sein. Dann wäre noch ausreichend Zeit für die erste Runde in den Bergen gewesen. Soweit der Plan. Die Realität sah allerdings etwas anders aus. Bereits auf der A7 sorgten diverse Baustellen für Verzögerungen. Teilweise wurde der Verkehr einspurig geführt, was den Verkehrsfluss ordentlich ausbremste. Dazu kam der Ferienbeginn in Nordrhein-Westfalen und entsprechend viel Verkehr auf den Autobahnen.
Aus dem ambitionierten Zeitplan wurde deshalb zunehmend eine Geduldsprobe. Kilometer um Kilometer zog sich die Anreise, und die ursprünglich eingeplante Bimota-Runde rückte immer weiter in die Ferne. Am Ende standen für die knapp 700 Kilometer fast elf Stunden Fahrzeit auf der Uhr.
Da war selbst der Reiz, eine Bimota über die Alpenpässe zu bewegen, nicht mehr groß genug, um noch drei oder vier weitere Stunden Fahrzeit dranzuhängen. Nach einem solchen Anreisetag wäre die geplante Runde über Fernpass und Hahntennjoch vermutlich mehr Pflicht als Vergnügen geworden. Also blieb die Bimota zunächst auf dem Trailer. Und ganz verloren war der Plan schließlich nicht. Vor der eigentlichen Abreise sollte sich noch eine Gelegenheit für die kleine Runde ergeben.

Am nächsten Morgen konnte die eigentliche Motorradtour endlich beginnen. Von Leuterschach im Allgäu ging es auf die erste Etappe nach Wolkenstein im Grödnertal. Dort war für vier Nächte ein Hotel gebucht – die perfekte Ausgangsbasis für die zahlreichen Pässe und Panoramastraßen, die in den kommenden Tagen auf dem Programm standen. Die 321 Kilometer bis Wolkenstein sollten allerdings alles andere als eine reine Anreise werden.
Zunächst ging es über den Fernpass. Statt anschließend wie üblich durch das Inntal in Richtung Innsbruck zu fahren, stand gleich die erste Variante abseits der klassischen Route auf dem Programm.Über den Silzer Sattel, das sogenannte „Sattele“, führte die Strecke hinauf zum Kühtai-Sattel. Mit 2.020 Metern war damit bereits der erste 2000er der Tour erreicht.

Von Kühtai ging es wieder hinunter ins Inntal und weiter Richtung Brenner. Für die Weiterfahrt wurde nicht die Autobahn gewählt, sondern die alte Brennerstraße. Schon allein wegen der Aussicht lohnt sich diese Strecke. Ein besonderer Höhepunkt ist dabei der Blick auf die Europabrücke, die sich spektakulär über das Wipptal spannt. Weiter ging es hinauf zum Brennerpass und anschließend hinunter nach Sterzing. Dort wartete bereits der nächste Pass der Etappe: das Penser Joch.
Die Straße hinauf zum Penser Joch bot wieder genau das, was eine gelungene Alpenetappe ausmacht – Kurven, Höhenmeter und ständig wechselnde Ausblicke. Nach der Passhöhe ging es auf der anderen Seite hinunter und anschließend weiter über den Ritten. Über den Ritten näherte sich die Strecke schließlich den Dolomiten. Die Landschaft wurde immer beeindruckender, und die Vorfreude auf die kommende Tage groß.

Nach dem gelungenen Auftakt stand am zweiten Tag die erste richtige Dolomitenrunde auf dem Programm. Start und Ziel waren Wolkenstein, dazwischen lagen rund 220 Kilometer und eine ganze Reihe der berühmtesten Pässe der Dolomiten. Die Route versprach also reichlich Kurven und Höhenmeter – und vor allem mehrere Passhöhen jenseits der 2.000-Meter-Marke.

Von Wolkenstein ging es zunächst hinauf zum Sellajoch. Mit 2.218 Metern war es gleich der erste 2000er des Tages. Das Sellajoch liegt zwischen der Sellagruppe und dem mächtigen Langkofel und verbindet Gröden mit dem Fassatal. Die Passstraße windet sich in zahlreichen Kehren nach oben und bietet immer wieder spektakuläre Ausblicke auf die umliegenden Dolomitengipfel.

Kaum war die Passhöhe erreicht, wartete schon der nächste Klassiker. Über Canazei führte die Strecke weiter zum Pordoijoch. Mit 2.239 Metern ist es noch etwas höher als das Sellajoch und damit der zweite 2000er der Runde. Das Pordoijoch liegt zwischen der Sella- und der Marmolada-Massiv und beeindruckt mit dem Blick auf die umliegenden Felsen.

Vom Pordoijoch ging es weiter über Arabba in Richtung des 2105 Meter hohen Passo Falzarego. Vom Falzarego ging es weiter zum Passo Giau. Mit 2.236 Metern war damit bereits der vierte 2000er des Tages erreicht. Der Giau gehört zu den landschaftlich spektakulärsten Pässen der Dolomiten. Die Straße ist vergleichsweise schmal und kurvenreich, dafür wird man oben mit einem fantastischen Rundumblick auf die markanten Dolomitengipfel belohnt.

Über eine weitere kurvenreiche Strecke ging es anschließend zum Passo Fedaia. Mit rund 2.054 Metern ist auch dieser Übergang ein echter 2000er. Der besondere Reiz des Fedaia liegt weniger in der Passhöhe selbst als in seiner Lage direkt unterhalb der Marmolada. Der Fedaia-Stausee zieht sich am Fuß des gewaltigen Bergmassivs entlang und bietet einen beeindruckenden Kontrast zwischen dem türkisfarbenen Wasser und den hellen Felswänden der Marmolada. Die Marmolada ist mit 3.343 Metern der höchste Berg der Dolomiten.

Vom Fedaia ging es wieder hinunter und anschließend über den Karerpass, italienisch Passo Costalunga. Mit 1.745 Metern blieb dieser zwar deutlich unter der 2.000-Meter-Marke, landschaftlich musste er sich aber keineswegs verstecken. Der Karerpass liegt am Fuß des Rosengartens und des Latemar. Ganz in der Nähe befindet sich der bekannte Karersee, dessen türkisblaue Farbe und die Spiegelungen der umliegenden Gipfel zu den typischen Fotomotiven der Dolomiten gehören.
Danach folgte mit dem Nigerpass ein weiterer, deutlich niedrigerer Übergang. Der Pass liegt auf 1.690 Metern zwischen dem Tierser Tal und dem Eggental und führt am westlichen Fuß der Rosengartengruppe entlang. Der Blick auf das Bergmassiv ist allein schon das Befahren wert.

Zum Abschluss der Runde ging es noch über die Seiser Alm. Schon die Dimensionen dieses Hochplateaus sind beeindruckend: Mit einer Fläche von rund 56 Quadratkilometern ist sie die größte Hochalm Europas. Sie erstreckt sich in einer Höhenlage von etwa 1.680 bis 2.350 Metern und bietet eine außergewöhnliche Kombination aus weitläufigen Almwiesen und den schroffen Gipfeln der Dolomiten. Von der Seiser Alm führte die letzte Etappe schließlich zurück nach Wolkenstein.
220 Kilometer standen am Ende auf dem Tageskilometerzähler. Dazu kamen gleich fünf Pässe über 2.000 Meter – Sellajoch, Pordoijoch, Falzaregopass, Passo Giau und Passo Fedaia – sowie Karerpass, Nigerpass und die Seiser Alm. Damit war bereits am zweiten Tourtag klar: Die Entscheidung, vier Nächte in Wolkenstein als Ausgangsbasis zu verbringen, war genau richtig. Die Dolomiten bieten so viele spektakuläre Passstraßen, dass selbst eine 220 Kilometer lange Runde kaum ausreicht, um mehr als einen kleinen Teil davon zu erkunden.

Für die dritte Etappe stand eine noch längere Runde auf dem Programm. 256 Kilometer waren es am Ende – wieder ab Wolkenstein und natürlich auch wieder zurück. Ein Teil der Strecke war inzwischen bestens bekannt: Sellajoch, Pordoijoch und Passo Giau. Danach sollte es allerdings weiter nach Osten gehen, in einen Bereich der Dolomiten, den wir auf dieser Tour bisher noch nicht befahren hatten. Neue Pässe, neue Landschaften und vor allem einige der schönsten Bergseen der Region warteten.
Vom Passo Giau ging es weiter in Richtung Cortina d’Ampezzo und anschließend auf der SS51 durch das Höhlensteintal. Der nächste Pass war der Passo Cimabanche, auf Deutsch auch „Im Gemärk“. Mit 1.530 Metern zwar nicht besonders hoch, landschaftlich aber keineswegs uninteressant. Die Straße verläuft zwischen mächtigen Bergmassiven: Im Norden erheben sich unter anderem die Hohe Gaisl und der Dürrenstein, im Süden die bis über 3.200 Meter hohe Cristallogruppe.
Kurz nach dem Pass wartete mit dem Dürrensee bereits der erste See der Etappe. Der Lago di Landro liegt unmittelbar an der Straße und bietet bei entsprechender Sicht einen fantastischen Blick auf die umliegenden Berge. Gerade die Kombination aus See und schroffen Dolomitengipfeln macht diesen Abschnitt zu einem der landschaftlich reizvollsten Teile der Strecke. Die nächsten Kilometer ging es im Uhrzeigersinn um den Nationalpark Drei Zinnen zum Kreuzbergpass und anschließend über den Passo San Antonio. Diese beiden Übergänge sind deutlich weniger bekannt als Sellajoch, Pordoi oder Giau – genau das machte diesen Teil der Tour besonders interessant. Abseits der großen Dolomitenklassiker war deutlich weniger touristischer Trubel zu spüren.

Auf dem Rückweg in Richtung Cortina stoppten wir an zwei weiteren Seen. Zuerst am wunderschön türkisfarben schimmernden Lago di Santa Caterina, der direkt an der Stecke liegt, und machten anschließend einen lohnenswerten Abstecher zum Misurinasee, der auf rund 1.750 Metern liegt. Der See wird von den markanten Gipfeln der Cadini-Gruppe, des Cristallo, des Sorapiss und – bei entsprechender Sicht – den Drei Zinnen eingerahmt. Die besondere Lage macht den Lago di Misurina zu einem der bekanntesten Seen der Dolomiten.

Nach dem kurzen Aufenthalt am See ging es weiter zum Passo Tre Croci und anschließend zum Passo Falzarego. Mit 2.105 Metern gehört er erneut zu den Pässen oberhalb der 2.000-Meter-Marke. Damit war der vierte hohe Pass des Tages erreicht. Nach den bereits gefahrenen Höhen von Sellajoch, Pordoi und Giau hatte diese Etappe also wieder ordentlich Höhenmeter gesammelt.

Vom Falzarego ging es direkt weiter zum Passo Valparola auf 2.192 Metern. Auch dieser Pass gehört zu den großen Klassikern der Dolomiten. Die Straße führt am Valparolasee vorbei und durch eine beeindruckende Felslandschaft. Die Passhöhe liegt zwischen der Fanesgruppe und der Sellagruppe und bietet einen hervorragenden Blick auf die umliegenden Gipfel.
Doch auch für die letzten Kilometer zurück nach Wolkenstein ging es über das 2.121 m hohe Grödnerjoch noch einmal hoch hinaus. Der Pass verbindet Gröden mit dem Gadertal und liegt zwischen dem Sellastock und den Cirspitzen. Der Pass hatte auf dieser Tour eine besondere Bedeutung. Schließlich war die angekündigte Sperrung des Grödnerjochs ab September 2026 einer der Gründe gewesen, die Dolomitentour gerade in diesem Jahr zu planen.

Auf der vierten Etappe stand die dritte große Runde durch die Dolomiten mit Start und Ziel in Wolkenstein auf dem Programm. Diesmal führt die Strecke deutlich weiter in den südlichen Teil der Dolomiten. Insgesamt warten 314 Kilometer auf uns – und eine ganze Reihe legendärer Alpenpässe.

Zu Beginn fahren wir in östlicher Richtung über das Grödnerjoch hinunter nach Corvara und weiter zum Passo Campolongo. Mit 1.875 Metern bleibt dieser Pass zwar knapp unter der 2.000-Meter-Marke, gehört aber zu den vier klassischen Pässen rund um den Sellastock. Zusammen mit Grödnerjoch, Pordoijoch und Sellajoch bildet er die berühmte Sellarunde. Der Campolongo ist dabei der niedrigste dieser vier Pässe. Anschließend folgt bereits der nächste bekannte Pass, das Pordoijoch, das wir bereits zum dritten Mal auf dieser Tour überqueren. Nach der Abfahrt geht es weiter zum Karerpass. Dann sind wir so weit südlich, dass neue Pässe anstehen.
Den Auftakt macht der Passo di Lavazè, der auf 1.805 Metern über Bergwiesen führt, und ein schönes Panorama auf die umgebenden Berghänge und den kleinen See bietet. Danach fahren wir weiter nach Süden zum Passo Manghen. Der Manghen, dessen Passshöhe auf 2.047 Metern liegt, ist ein eher abgelegener und ursprünglicher Pass und wirkt im Vergleich zu den bekannten Dolomitenpässen deutlich ruhiger. Genau das macht seinen Reiz aus – weniger touristischer Trubel, dafür eine anspruchsvolle Bergstraße und viel Natur.

Vom Manghen geht es weiter zum Passo Brocon, der mit rund 1.615 Metern wieder deutlich tiefer liegt. Der Pass verbindet das Vanoi-Tal mit der Hochebene von Tesino. Danach beginnt eine besonders schöne Folge von Pässen im Bereich der Pale di San Martino. Zunächst steht der Passo Rolle auf dem Programm. Mit 1.984 Metern kratzt er nur knapp an der magischen 2.000-Meter-Marke. Dafür ist die Aussicht umso beeindruckender: Vom Pass bietet sich ein großartiger Blick auf die markanten Gipfel der Pale di San Martino. Nur wenig später folgt der Passo Valles – und damit erneut ein Pass über 2.000 Meter. Die Passhöhe liegt bei 2.031 Metern. Besonders reizvoll ist die Lage zwischen den Berggruppen der Pale di San Martino und der Marmolata-Region. Die Straße führt durch eine Landschaft, die deutlich ursprünglicher wirkt als die viel befahrenen Klassiker rund um die Sellagruppe.
Nach dem Valles folgt der Passo San Pellegrino mit einer Höhe von rund 1.918 Metern. Überhaupt liegen Rolle, Valles und San Pellegrino erstaunlich dicht beieinander. Auf kaum mehr als rund 30 Kilometern reiht sich hier ein Alpenpass an den nächsten – drei große Passüberquerungen auf engstem Raum. Nach diesem Passfeuerwerk geht es wieder in Richtung Norden und zum Abschluss der Runde noch einmal über das Sellajoch.

Zurück in Wolkenstein liegen 314 Kilometer hinter uns, dazu eine beeindruckende Pässe-Sammlung durch den südlichen Teil der Dolomiten – mit allem, was diese Bergwelt ausmacht: gewaltige Felskulissen, enge Kehren, einsame Passstraßen, bekannte Klassiker und immer wieder der Wechsel zwischen hochalpiner Landschaft und tief eingeschnittenen Tälern.

Am fünften Tag der Tour verlassen wir Wolkenstein und die Dolomiten Richtung Osttirol. Ein letztes Mal über das Grödnerjoch und von dort weiter zum Furkelpass, der mit 1.789 Metern zwar deutlich niedriger liegt, aber keineswegs langweilig ist. Der Pass verbindet das Gadertal mit dem Pustertal und liegt zwischen dem Kronplatz und dem Piz de Peres. Die Auffahrt ist teilweise überraschend steil und führt durch eine abwechslungsreiche Landschaft aus Wald und Almwiesen.
Den ersten längeren Stopp legen wir im Biathlon Stadion in Antholz ein, das zu den bedeutendsten Biathlonstandorten Europas zählt. Anschließend geht es weiter zum Antholzer See. Der auf rund 1.640 Metern gelegene Bergsee liegt eingebettet in die beeindruckende Bergwelt der Rieserfernergruppe und ist einer der landschaftlichen Höhepunkte des Antholzer Tals. Vom See aus beginnt dann der Anstieg zum nächsten großen Pass unserer heutigen Etappe.

Der Staller Sattel ist mit 2.052 Metern der zweite Pass des Tages, der die 2.000-Meter-Marke überschreitet. Er verbindet Südtirol mit Osttirol und liegt direkt an der Grenze zwischen Italien und Österreich. Besonders interessant ist die Straße auf der italienischen Seite. Sie ist im oberen Bereich so schmal, dass der Verkehr nur einspurig möglich ist. Eine Ampel regelt deshalb die Durchfahrt: Jeweils zu bestimmten Viertelstunden darf in die eine oder andere Richtung gefahren werden. Wer hier ankommt und gerade „falsch“ steht, hat also unfreiwillig eine kleine Pause gewonnen. Auf der Passhöhe wartet mit dem Obersee ein weiterer kleiner Bergsee. Danach geht es hinunter Richtung Lienz.

Über den Iselsbergpass geht es zum Höhepunkt des Tages, zur Großglockner Hochalpenstraße. An der Mautstation heißt es zunächst einmal 36,50 Euro für ein Tagesticket Motorrad bezahlen! Aber 48 Kilometer Panoramastraße, 36 Kehren und eine Fahrt mitten hinein in den Nationalpark Hohe Tauern sind es wert. Der höchste befahrbare Punkt liegt auf der Edelweiß-Spitze bei 2.571 Metern, während das Hochtor immerhin 2.504 Meter erreicht.
Unser erster Stopp ist die Kaiser-Franz-Josefs-Höhe auf 2.369 Metern. Plötzlich steht nicht mehr nur eine Passstraße im Mittelpunkt, sondern das Hochgebirge selbst. Gegenüber erhebt sich der Großglockner mit 3.798 Metern, Österreichs höchster Berg. Unterhalb der Aussichtsplattform liegt die Pasterze, der längste Gletscher der Ostalpen, beziehungsweise das, was davon übrig ist.

Weiter geht es zum Hochtor, dem mit 2.504 Metern höchsten Punkt der eigentlichen Passstraße. Die Straße führt durch den Hochtortunnel und verbindet Salzburg mit Kärnten. Nach zahlreichen Pässen in den Dolomiten ist das Hochtor trotzdem etwas Besonderes. Die Umgebung wirkt anders als in den italienischen Dolomiten – weniger von den senkrechten Felswänden geprägt, dafür weitläufiger und hochalpiner.
Doch der eigentliche Gipfel der Großglocknerfahrt wartet noch. Die Abzweigung zur Edelweiß-Spitze führt über eine schmale, teilweise mit Kopfsteinpflaster versehene Straße hinauf. Und plötzlich steht auf dem Höhenmesser: 2.571 Meter. Damit ist die Edelweiß-Spitze der höchste befahrbare Punkt der gesamten Großglockner Hochalpenstraße. Von hier reicht der Blick bei guter Sicht über zahlreiche Gipfel der Hohen Tauern.

Nach all den Eindrücken verlassen wir die Großglockner Hochalpenstraße und setzen unsere Fahrt in Richtung Saalfelden fort. Aber nein, kurz vor der Mautstation auf der Nordseite fällt die Entscheidung doch noch einmal ein wenig Kurvenspaß zu genießen. Wir kehren um und fahren noch einmal hinauf bis zum Seidlwinkl am Abzweig zur Edelweißspitze. Als letzter Pass der Etappe wartet noch der Filzensattel an der Hochkönigstraße mit schönen Ausblicken auf die Bergwelt rund um den Hochkönig.

Zum Abschluss unserer Alpentour warteten noch einmal 322 Kilometer abwechslungsreiche Strecke auf uns, von Saalfelden über die bayerischen Voralpen und das Isartal bis zum Plansee und schließlich zurück nach Leuterschach. Den Anfang machte der Walchsee, der mit seiner Panoramalage zu einem ersten Stopp einlud. Weiter ging es über den Sudelfeldpass, der vom Inntal durch das Mangfallgebirge nach Bayrischzell führt. Von dort führte unsere Route weiter entlang des Schliersees und weiter zum Tegernsee.

Von Tegernsee aus ging es weiter Richtung Wallgau. Ein besonderes Stück unserer heutigen Strecke war die Fahrt über die Mautstraße von Wallgau nach Vorderriss. Die Straße führt mitten hinein in das ursprüngliche Isartal. Hier erlebt man die Isar noch in einer sehr naturnahen Umgebung. Vom Ende der Mautstraße sind es nur wenige Kilometer zum Walchensee. Die Verbindung zwischen Walchen- und Kochelsee ist vor allem durch den Kesselberg geprägt, eine kurvenreiche Verbindung zwischen den beiden Seen.
Nach diesem abwechslungsreichen Abschnitt ging es weiter in Richtung Ammergebirge und über den Ammersattel zum Plansee in Tirol. Der See beeindruckt durch das klare, türkis bis tiefblau schimmernde Wasser und die steil aufragenden Berge.

Bei der Ankunft in Leuterschach stehen 322 Kilometer auf dem Tacho. Unsere Alpentour endet mit einer abwechslungsreichen letzten Etappe mit reichlich Kurven und vielen Bergseen in beeindruckender Kulisse.
Auf 6 Etappen und 1.800 Kilometern sind wir über 40 Alpenpässen gefahren, davon 14 Pässe über 2000 Meter. Sucht man im Internet nach der Gesamtzahl der befahrbaren Pässe, so kommt man, zählt man auch kleinere Übergänge, Nebenpässe und saisonal befahrbare Straßen dazu, auf deutlich über 500. Für Motorradtouren werden in gängigen Passverzeichnissen häufig etwa 300 bis 350 besonders interessante Alpenpässe geführt. Insgesamt gibt es 60 befahrbare Alpenpässe, mit einem Scheitelpunkt über 2000 m. 51 davon habe ich nach dieser Tour befahren.

